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Markengeschichten

Fogal: das Schweizer Strumpfhaus der Designerkooperationen

Von Zürichs erster Boutique nur für Strümpfe und der Reparatur im Laden bis zu Künstlern und Capsules mit Dries Van Noten: ein Jahrhundert Fogal, bis zum neuen Eigentümer mit Sitz in Abu Dhabi.

Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Das Wort Zürich, Fogals Heimatstadt, mit einem Foto von Beinen in transparenter schwarzer Strumpfhose

Vor Fogal war ein gutes Paar Strümpfe in Zürich etwas, das man bei einem Handwerker bestellte und auf das man dann wartete. Léon Fogal, Sohn eines Schweizer Sockenfabrikanten, hatte eine Idee, die heute selbstverständlich wirkt: ein Geschäft nur für Strümpfe, mit Ware zum Mitnehmen. Dann hatte er eine zweite, noch modernere: sie gleich vor Ort zu reparieren. Ein Jahrhundert später verkauft die Marke Netzstrumpfhosen mit 15.000 Kristallen und hat Capsules mit Dries Van Noten entworfen, doch dieser doppelte Instinkt, Bequemlichkeit und Langlebigkeit, zieht sich bis heute durch ihre Geschichte.

Wie bei vielen Traditionshäusern hängt das Gründungsdatum davon ab, was man zählt. Fogal datiert sich selbst auf 1921, das Jahr, das auch auf der Website des heutigen Eigentümers steht, und feierte 2021 sein 100-jähriges Bestehen. Die Zeittafel auf der offiziellen Website setzt die Eröffnung der ersten Boutique in Zürich jedoch auf 1923, und 2007 sagte die damalige Kommunikationsdirektorin zu WWD, das Unternehmen sei 1923 in Zürich gegründet worden. 1921 ist das Datum der Marke, 1923 das erste belegte Geschäft.

Der Erfolg, so Fogal, kam sofort, und bald folgten weitere Boutiquen in der ganzen Schweiz. Das Konzept war einfach, aber neu: Strümpfe als fertiges Produkt zum Kaufen in einem eigenen Geschäft, statt als Auftragsarbeit beim Handwerker.

Reparieren statt wegwerfen

1925 kam die Neuerung, die heute am meisten beeindruckt: ein Reparaturservice im Laden, mit einer speziellen Maschine zum Stopfen von Seiden- und später Nylonstrümpfen. Kundinnen brachten Strümpfe mit Laufmaschen vorbei und bekamen sie laut der Marke binnen Minuten zurück. Fogal bezeichnet sich als erste Marke, die das anbot.

1939, wiederum laut offizieller Zeittafel, importierte Léon Fogal die ersten Nylonstrümpfe nach Europa. An anderer Stelle schreibt dieselbe Seite, Fogal habe die „Nylons“ in den 1940er-Jahren in die Schweiz gebracht, und Lingerie Briefs schreibt, er sei der Erste gewesen, der sie in die Schweiz importierte: So oder so gehörte Fogal zu den Allerersten, die die neue Faser auf ihren Markt brachten. 1950 folgten nahtlose Strümpfe, in einem Stück gestrickt, 1960 Strumpfhosen, mit kräftigen blickdichten Farben und Mustern, die die Marke bis heute als Markenzeichen betrachtet. Fogal schreibt sich außerdem zu, in den 1960er-Jahren den weltweiten Hype um farbige Strumpfhosen angeführt zu haben.

Von Zürich an die Madison Avenue

Als Léon Fogal 1968 starb, ging das Unternehmen an die Zürcher Bankiersfamilie von Walter Meier über. Es gab sechs Geschäfte in der Schweiz. 1970 kamen die ersten Kniestrümpfe, 1971 die ersten Strumpfhosen aus Kaschmir und Seide, früher Beleg, so die Marke, für ihren Fokus auf natürliche Materialien.

Infografik: Fogal, ein Jahrhundert in zehn Daten

Fogal, ein Jahrhundert in zehn Daten, und das heutige Produkt laut Lingerie Briefs.

Dann die Expansion. Ab 1982 eröffnete Fogal in New York, Paris, London, München, Hongkong und Tokio. 2007 meldete WWD 25 Jahre in den USA, eine Boutique an der 115 Madison Avenue, eine zweite an der Nummer 611 in Vorbereitung und weltweit 22 eigenständige Geschäfte. Lingerie war in den 1980er-Jahren als Baumwolllinie namens In Addition hinzugekommen, abgestimmt auf die Strumpfwaren; bis 2007 war sie um eine transparente Lycra-Gruppe namens Nude gewachsen, beschrieben als „zweite Haut“, und die Produkte wurden auch bei Barneys und Bloomingdale's verkauft. 1985 entwarf die Designerin Lilo Nido Strumpfhosen ohne Mittelnaht und mit integriertem Spitzentanga; 2000 kam Bodywear als „zweite Haut“.

Künstler vor Designern

Die Lust an der Kooperation kam früh, und zwar über die Kunst, nicht über die Mode. 1974 arbeitete Fogal mit dem britischen Künstler Allen Jones zusammen, der Fassaden an den Bahnhöfen Basel und Zürich bemalte. In den 1990er-Jahren wurden die Einkaufstüten zu Sammlerstücken: Der Illustrator Jean Robert gestaltete 1992 eine, und 2007 kündigte WWD eine weitere der Künstlerin Madeleine Berkhemer an. 2013 kam das Kino: Für Der große Gatsby schuf Fogal Ballsocken und „Charleston-Strumpfhosen“, naheliegend für ein Haus, das genau in dem Jahrzehnt entstand, von dem Fitzgerald erzählt.

Das Jubiläum und die Designer-Capsules

2017 übernahmen Margaux und Edouard Burrus Fogal. 2018 führte die Marke Strumpfhosen aus alternativen Fasern ein: Ramie, Kapok, Hanf, Banane, Zitrusrinde und Bambus. Mit dem 100-jährigen Jubiläum wurden Modekooperationen zur Strategie, und die Fachpresse war großzügig: FashionNetwork nannte Fogal „das Nonplusultra der Beinmode“. Wie FashionNetwork 2021 berichtete, legte Fogal für Herbst/Winter 2021/22 drei Capsules mit Dries Van Noten, Ulla Johnson und Zadig & Voltaire auf, aus biologischen und recycelten Fasern. Die Verbindung zu Van Noten bestand bereits: Der belgische Designer hatte in einer seiner Schauen bunte Fogal-Strumpfhosen gezeigt.

In derselben Saison tauchte der Schwimmer Yannick Agnel, Olympiasieger über 200 Meter Freistil in London 2012, in die Archive ein und entwarf Leggings mit zwei schmalen weißen Seitenstreifen, die für Gleichberechtigung zwischen den sportlichen Leistungen von Frauen und Männern sensibilisieren sollten, während Kreativdirektor Jean-Luc Amsler eine technische Fitnesslinie entwarf. Margaux Burrus formulierte das Ziel:

"We are positioning Fogal as part of a new ready-to-wear designed for all times of the day, from the yoga room to afterwork, and including the home office." (Margaux Burrus, zu FashionNetwork, 2021)

Sinngemäß: Fogal soll Teil einer neuen Konfektion für alle Tageszeiten werden, vom Yogaraum über den Feierabend bis ins Homeoffice. Mit anderen Worten: Fogal als Garderobe für den ganzen Tag, nicht nur als Strumpf.

Fogal heute

Seit April 2023 gehört Fogal der ChimHaeres Investment Holding, einer Gesellschaft nach dem Recht des Abu Dhabi Global Market, der auch Borsalino, Vionnet und Zagato gehören. Die Marke spricht von einem neuen Kapitel, das ihr den Status einer Ikone zurückgeben soll.

Das Produkt bleibt laut einem Porträt, das Lingerie Briefs im Juli 2026 veröffentlichte, den edlen Fasern treu: Die Garne sind nach Oeko-Tex Standard 100 zertifiziert, es gibt blickdichte Strumpfhosen mit 95 % Seide, jedes Stück wird auf Formen thermofixiert, und die feinsten Modelle durchlaufen zwei getrennte Qualitätskontrollen. Die Fußspitzen werden mit einer glatten Flachnaht oder einem nahezu unsichtbaren, von Hand gekettelten Abschluss geschlossen. Die Preise beginnen bei 53 Dollar und reichen bis 1.257 Dollar für die Netzstrumpfhose Marilyn mit 15.000 von Hand aufgebrachten Kristallen. Hello! Fashion nennt Fogal eine „Traditionsmarke“, deren Sortiment „von robusten Basics bis zu auffällig gemusterten Statement-Stücken“ reicht, mit limitierten Kooperationen „mit den Labels der Stunde“. Ihr Favorit ist die Strumpfhose Pois, die „ein ultrafeines Rautenmuster mit eleganten Punkten“ verbindet.

Das heutige Sortiment reicht von hauchzarten transparenten Strumpfhosen, feinen Netzstrumpfhosen und samtigen blickdichten Modellen bis zu kräftigen Farben, Lurex und Leopardenmotiven und umfasst auch Activewear, Bodywear und Shapewear, gestrickt mit denselben Techniken. Die jüngste Kampagne, Femme Fogal – The Art of Becoming, fotografiert von Anoush Abrar und gestylt von Boutique Annabelle, handelt von einer Frau, die sich immer wieder neu erfindet: eine elegante Art zu sagen, dass auch die Marke unter neuen Eigentümern ihre nächste Form sucht.

Wie man eine Fogal auswählt

  • Den Anteil prüfen. Lingerie Briefs weist darauf hin, dass viele sogenannte Kaschmirstrumpfhosen nur einen kleinen Anteil davon enthalten: Erst die Zusammensetzung lesen, dann für die edle Faser bezahlen.
  • Auf die Fußspitze schauen. Eine flache oder von Hand gekettelte Naht spürt man im Schuh nicht.
  • Die Faser nach der Jahreszeit wählen. Wolle und Kaschmir für den Winter, Seide und Baumwolle für die Übergangszeit.
  • Die Capsules im Blick behalten. Limitierte Editionen erscheinen in kleinen Auflagen.
  • Pflegen wie Kleidung. Von Hand waschen und liegend trocknen.

Vor fast einem Jahrhundert konnte man einen Strumpf mit Laufmasche in ein Fogal-Geschäft bringen und ihn wie neu wieder mitnehmen. Jetzt, da Strumpfhosen zur Wegwerfware geworden sind, ist das die modernste Idee, die die Marke je hatte.

Die anderen Markengeschichten bei Tights and the City: Wolford, Falke und Swedish Stockings. Und um die Zahlen auf der Packung zu verstehen, der Den-Ratgeber.

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